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Hörgeräte

Rückkopplung bei Hörgeräten: Ursachen, Lösungen & Vorbeugung

Simone Blaß
Verfasst von Simone Blaß
Zuletzt aktualisiert: 12. Februar 2026
Lesedauer: 19 Minuten
© peakSTOCK / istockphoto.com

Eine Rückkopplung im Hörgerät ist ein weit verbreitetes Phänomen, das den Tragekomfort erheblich beeinträchtigen kann. Der vom Lautsprecher verstärkte Schall dringt dabei wieder in das Mikrofon ein, löst einen pfeifenden oder jaulenden Ton aus und erzeugt so einen störenden Feedback-Effekt. Dieses Problem tritt besonders dann auf, wenn das Gerät nicht optimal angepasst ist. Moderne Technologien mildern es zwar ab, doch ein Verständnis der Ursachen ist entscheidend für effektive Lösungen.

Alles auf einen Blick:

  • Eine Rückkopplung tritt bei einem Hörgerät auf, wenn der verstärkte Schall aus dem Ohr austritt und vom Mikrofon wieder aufgenommen wird.
  • Häufige Auslöser sind ein lockerer Sitz von Dome oder Otoplastik, Ohrenschmalz, abgenutzte Teile oder eine zu starke Hochtonverstärkung.
  • Bestimmte Alltagssituationen wie das Telefonieren, das Tragen von Mützen oder Umarmungen reflektieren Schall und begünstigen Rückkopplung.
  • Zwar können moderne Hörgeräte Rückkopplung durch spezielle Algorithmen stark verringern, doch bei akustischen Leckagen stoßen auch sie an ihre Grenzen.
  • Wenn das Pfeifen neu auftritt, nur einseitig vorkommt oder dauerhaft bleibt, sollte das Hörgerät von einem Hörakustiker oder HNO überprüft werden.

Was ist eine Rückkopplung bei Hörgeräten?

Eine Rückkopplung ist sozusagen ein akustischer Kreislauf, bei dem ein Teil des verstärkten Tons den Gehörgang verlässt, zurück zum Mikrofon gelangt und dort erneut verstärkt wird. Dieses Hin und Her sorgt dafür, dass das Hörgerät pfeift. Die Ursache liegt fast immer darin, dass irgendwo Schall austritt und die Gesamtverstärkung hoch genug ist, um diesen Effekt auszulösen.

Wie entsteht Rückkopplung in einem Hörgerät?

Rückkopplung entsteht, wenn der vom Lautsprecher erzeugte Ton nicht vollständig im Ohr bleibt, sondern nach außen dringt und wieder vom Mikrofon erfasst wird. Je dichter die Nähe zwischen Schallaustritt und Mikrofon, desto eher kann diese akustische Schleife entstehen, vor allem, wenn der Sitz des Geräts nicht ganz stimmt.

SCHON GEWUSST?
Bereits ein winziger Spalt reicht aus, um hohe Frequenzen aus dem Gehörgang nach außen zu lassen. Diese hohen Töne sind besonders rückkopplungsanfällig. Deshalb kann schon ein leicht ausgeleierter Dome mit einem minimalen Sitzfehler zu deutlichem Pfeifen führen.

Die physikalischen Prozesse bei einer Rückkopplung

Wenn die Verstärkung groß genug ist und das Signal in der passenden Phase zurückkommt, beginnt der Ton zu kreisen. Meist geschieht das bei bestimmten Frequenzen. Das Ergebnis ist dann ein konstanter, schmalbandiger Pfeifton. Eine Rückkopplung ist also im Grunde ein „Loop-Fehler“. Sie entsteht durch eine Kettenreaktion in 3 Schritten:

  1. Schall-Leckage: Der verstärkte Schall tritt aus dem Lautsprecher (Hörer) im Gehörgang aus. Wenn das Ohrpassstück oder der Dome nicht perfekt abdichtet, schlüpft ein Teil dieses Schalls am Gehörgang vorbei nach draußen.
  2. erneute Aufnahme: Das Mikrofon des Hörgeräts fängt diesen bereits verstärkten Schall wieder ein.
  3. Endlosschleife: Das Gerät verstärkt diesen Schall erneut und sendet ihn wieder zum Lautsprecher. Dieser Zyklus wiederholt sich in Millisekunden, wodurch das typische hohe Pfeifen oder Quietschen entsteht.

Was ist der Unterschied zwischen Rückkopplung und normalem Pfeifen?

Wenn ein Pfeifen hörbar ist, handelt es sich fast immer um eine Rückkopplung. Ein kurzes Pfeifen beim Einsetzen oder durch Berührungen, auch durch einen Schal oder am Telefon, ist meist harmlos. Dauerhaftes Pfeifen dagegen deutet auf ein konkretes Problem im Schallweg hin. 

Wie hängt die Lautstärke mit Rückkopplung zusammen?

Je höher die Lautstärke, desto größer das Risiko für Rückkopplung, vor allem in den hohen Frequenzbereichen. Wenn ein Pfeifen erst ab einer bestimmten Lautstärke auftritt oder bei leiserer Einstellung verschwindet, ist dies ein klares Indiz, dass die Gesamtverstärkung zu hoch für die aktuelle Passform ist.

Welche Rolle spielt das Venting? 

Mit dem Venting, im Prinzip eine Belüftung, die man durch eine gezielte Bohrung im Ohrpassstück erreicht, löst man zwar das Problem der Okklusion, erhöht aber die Gefahr einer Rückkopplung. Denn das Venting lässt den Schalldruck, der beim Sprechen durch Kiefervibrationen im Gehörgang entsteht, nach außen entweichen und ist damit ein offener Kanal. Je größer also die Bohrung, desto leichter findet der verstärkte Schall vom Lautsprecher den Weg durch genau dieses Loch zurück zum Mikrofon. 

SCHON GEWUSST?
Wenn ein Hörgerät zu stark abdichtet, dann kann die eigene Stimme dumpf klingen. Man nennt das Okklusion. Ein Akustiker muss also das Gleichgewicht finden aus Abdichtung, Komfort und Rückkopplunssicherheit.


Welche typischen Situationen lösen Rückkopplung aus?

Situationen, in denen Schall reflektiert wird oder das Hörgerät verrutscht, begünstigen Rückkopplung besonders. Dazu gehören unter anderem:

  • Telefonieren mit dem Gerät direkt am Ohr
  • Tragen von Mützen, Kapuzen oder Schals
  • Umarmungen
  • Liegen mit dem Ohr auf dem Kissen
  • Brillen oder Maskenbänder, die das Hörgerät verschieben

Kann Ohrenschmalz die Rückkopplung auslösen?

Durch die Ansammlung von Cerumen kann der Schallaustritt teilweise blockiert werden, der Sitz des Hörgeräts verändert sich und der Schall wird stärker in Richtung Mikrofon zurückgeworfen. Tritt das Pfeifen sehr plötzlich auf, ohne dass das Hörgerät neu eingestellt oder gewechselt wurde, ist eine Kontrolle auf Ohrenschmalz besonders sinnvoll. Zuerst können Schirmchen, Dome und Schallschlauch, aber auch der Hörer vorsichtig gereinigt werden. Zusätzlich sollte das Ohr selbst bei Bedarf professionell durch einen HNO-Arzt oder einen Hörakustiker untersucht und gegebenenfalls gereinigt werden. 

Was tun, wenn Rückkopplung bei bestimmten Bewegungen auftritt?

Wenn das Pfeifen nur beim Kauen, Sprechen oder Lächeln auftritt, verändert sich vermutlich der Sitz des Geräts durch die Bewegung. Häufig ist dann die Passform oder auch die Hörgeräteart nicht optimal. Prüfen Sie, ob das Gerät tief genug sitzt oder ob sich der Dome beim Tragen lockert. Auch die Kombination mit Brillen oder Masken kann den Sitz verändern.

WAS SIND DOME UND OTOPLASTIK?
Der Dome, auch Schirmchen genannt, ist ein kleiner, flexibler Silikonaufsatz an Hinter-dem-Ohr-Hörgeräten, der den Lautsprecher mit dem Gehörgang verbindet und den Schall sicher leitet. Die Otoplastik dagegen ist ein maßgefertigtes Ohrpassstück, das individuell an die Ohrform angepasst wird und besseren Halt sowie weniger Rückkopplungen bietet.

Wie beeinflusst ein schlecht sitzendes Ohrpassstück die Rückkopplung?

Ein schlecht sitzendes Ohrpassstück ist eine der häufigsten Ursachen für Rückkopplung beim Hörgerät. Selbst kleinste Spalten zwischen Otoplastik und Gehörgang können dazu führen, dass Schall entweicht und wieder ins Mikrofon gelangt. Besonders problematisch wird dies bei höheren Lautstärken, da mehr Verstärkung das Rückkopplungsrisiko erhöht. Auch alltägliche Bewegungen wie Kauen, Sprechen oder Lächeln verändern die Form des Gehörgangs und können bei einer nicht optimal sitzenden Otoplastik zu Pfeifgeräuschen führen. Mit der Zeit kann sich das Material der Otoplastik durch Verschleiß auch verhärten oder verformen, und selbst größere Gewichtsveränderungen können die Passform des Gehörgangs beeinflussen. Wenn die Otoplastik zu locker sitzt, sollte der Akustiker eine neue Abformung vornehmen und die Otoplastik neu anfertigen lassen, eventuell in einer weicheren oder längeren Variante.

Kann Rückkopplung durch die Gehörgangsform entstehen?

Die individuelle Anatomie des Gehörgangs spielt eine ganz entscheidende Rolle bei der Entstehung von Rückkopplungen im Hörgerät, da sie den Schallweg maßgeblich beeinflusst und die Abdichtung des Geräts bestimmt.

Merkmal des GehörgangsEinfluss auf die RückkopplungHintergrund
individuelle Krümmunghoher EinflussKnicke im Gehörgang erschweren die Abdichtung; Passungenauigkeiten lassen Schall entweichen
Kiefergelenk-Dynamikvariabler Einflussbeim Kauen oder Sprechen verändert sich die Form; temporäre Schlitze entstehen zwischen Haut und Gerät
Gewebestrukturmittlerer Einflussweiches Gewebe dichtet gut ab, verformt sich jedoch leicht; festes Gewebe ist formstabil, dichtet aber schwerer ab
Gehörgangs-Weitedirekter Einflusssehr weite Gehörgänge erfordern massivere Otoplastiken, um den Schallrückweg mechanisch zu blockieren

Um Rückkopplungen trotz schwieriger Gehörgangsformen zu vermeiden, setzt die moderne Akustik auf maximale Passgenauigkeit durch Digitalisierung:

  • digitaler Abdruck: Früher wurde nur mit Silikonmasse händisch abgeformt. Heute nutzen Akustiker oft 3D-Linienscanner, die den Gehörgang kontaktlos bis kurz vor das Trommelfell vermessen. Das Ergebnis ist ein hochpräziser digitaler Zwilling des Ohres.
  • CAD-Modellierung: Am Computer wird die Otoplastik so designt, dass sie die Krümmungen perfekt nutzt. Man kann am Bildschirm genau simulieren, wo der Schall austreten könnte und die Dichtzonen gezielt verstärken.
  • Präzisionsfertigung: Die fertigen Daten gehen an einen 3D-Drucker. Dieser fertigt das Passteil mit einer Genauigkeit im Mikrometerbereich an. So wird sichergestellt, dass selbst bei Kieferbewegungen kein Spalt entsteht, durch den Schall entweichen könnte.

Diese Rolle spielt die Materialwahl bei der Abdichtung gegen Rückkopplung

Hörgeräte-MaterialVorteil bei RückkopplungEinsatz
Hart-Acryl
  • sehr langlebig
  • glatte Oberfläche
  • verhindert Schallleckagen
  • Standardversorgungen
  • normale Anatomie
Soft-Silikon
  • dehnt sich bei Kieferbewegung leicht mit und dichtet so aktiv ab
  • starke Kieferdynamik
Thermoplast
  • wird durch Körperwärme weich
  • passt sich individuell an die Form an
  • empfindliche Gehörgänge mit hohem Abdichtungsbedarf

Welche Einstellungen helfen gegen Rückkopplung?

Spezielle Hörprogramme oder Mikrofoneinstellungen können helfen, Rückkopplung zu vermeiden. Oft hilft auch, das Telefon etwas versetzt zum Ohr zu halten oder beim Telefonieren auf Streaming umzuschalten. Beim Umarmen sollte direkter Kontakt zum Mikrofonbereich vermieden werden, damit es nicht unangenehm für den Träger des Hörsystems wird.

Technische Einstellungen am Hörgerät

  • wenn möglich, Rückkopplungsunterdrückung aktivieren oder verstärken 
  • Telefonprogramm nutzen, das automatisch die Verstärkung anpasst
  • Lautstärke in kritischen Situationen kurzzeitig reduzieren
  • Entlüftungsöffnungeventuell vom Akustiker anpassen lassen, denn kleinere Öffnungen reduzieren die Rückkopplung

Moderne Hörgeräte haben meist sehr gute Rückkopplungsmanagement-Systeme. Wenn es trotzdem häufig pfeift, lohnt sich definitiv ein Termin beim Akustiker zur Optimierung.

Technische Einstellungen beim Telefonieren

  • Bluetooth-Streaming nutzen (direkter Ton ohne Rückkopplung)
  • Telefonspule (T-Spule) aktivieren, falls vorhanden
  • Hörer leicht schräg oder mit Abstand zum Mikrofon halten
  • Spezielle Telefon-Apps verwenden, die mit dem Hörgerät kommunizieren

Das können Sie tun bei Umarmungen

  • Kopf leicht zur Seite neigen, sodass das Ohr nicht direkt abgedeckt wird
  • kurz die Lautstärke reduzieren
  • dem Gegenüber erklären, dass sanfteres Anlehnen eine Rückkopplung vermeidet

Was tun, wenn die Rückkopplung häufig auftritt?

  • Otoplastik überprüfen lassen (eventuell sitzt sie nicht mehr optimal)
  • Ohrenschmalz entfernen lassen
  • Akustiker aufsuchen für Feinjustierung

Welche Rolle spielt die Verstärkungseinstellung bei Rückkopplungen?

Eine hohe Verstärkung in bestimmten Frequenzen, meist im Hochtonbereich, erhöht die Wahrscheinlichkeit für Rückkopplung deutlich. Selbst bei moderner Technik sind solche Pegel nur stabil, wenn die akustische Abdichtung stimmt. Sonst muss der Akustiker gezielt nachjustieren, anstatt einfach nur leiser zu stellen.

Welche Rolle spielt die Mikrofon- und Lautsprecheranordnung bei Rückkopplung?

Wie nah Mikrofon und Lautsprecher beieinanderliegen, wie sie zueinander ausgerichtet sind und ob Reflexionen leicht zurück ins Mikrofon gelangen können – all das beeinflusst, ob Rückkopplung und damit dieses unangenehme Geräusch entsteht. Bei ungünstiger Platzierung kann es daher schneller zum Pfeifen kommen. Ein Hörgeräteakustiker findet das Problem schnell und kann Ihnen weiterhelfen. 



Wie kann man Rückkopplung bei Hörgeräten vorbeugen?

Eine regelmäßige und gründliche Reinigung des Hörsystems ist eine der wichtigsten Maßnahmen zur Vorbeugung von Rückkopplung. Ohrenschmalz, Hautschuppen und Feuchtigkeit können sich in den Öffnungen und Filtern ansammeln und den Schallweg blockieren oder verändern, was zu Pfeifgeräuschen führen kann. Besonders die Wachsschutzfilter sollten regelmäßig kontrolliert und bei Bedarf ausgetauscht werden. Gut sitzende Domes bei RIC-Geräten oder passende Otoplastiken bei HdO-Geräten sind ebenfalls entscheidend für eine wirksame Abdichtung des Gehörgangs. Wenn das Ohrpassstück nicht optimal sitzt, können kleinste Spalten entstehen, durch die Schall entweicht und wieder vom Mikrofon aufgenommen wird. Es lohnt sich daher, die Passform regelmäßig vom Akustiker überprüfen zu lassen, besonders nach Gewichtsveränderungen oder wenn das Material gealtert ist. Das korrekte Einsetzen des Hörgeräts spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. Wenn die Otoplastik oder der Dom nicht vollständig und richtig im Ohr sitzt, entstehen Lücken, die Rückkopplung begünstigen. Nehmen Sie sich beim Einsetzen Zeit und achten Sie darauf, dass alles fest und bequem sitzt.

Auch ein bewusster Umgang mit Situationen, die Rückkopplung auslösen können, macht im Alltag einen großen Unterschied. Beim Telefonieren sollte der Hörer nicht direkt auf das Mikrofon des Hörgeräts gedrückt werden. Besser ist es, ihn leicht versetzt zu halten oder auf Bluetooth-Streaming umzusteigen. Beim Tragen von Mützen, Stirnbändern oder beim Schlafen auf dem Kopfkissen kann direkter Druck auf das Hörgerät entstehen, der Schall zurück zum Mikrofon reflektiert. In solchen Momenten kann es helfen, die Position anzupassen oder kurzzeitig die Lautstärke zu reduzieren.

WAS IST DER HAND-CHECK ZUR DIAGNOSE?
Ein Nutzer kann in einem ersten Schritt selbst prüfen, ob es eine interne (technischer Defekt) oder externe (Passform) Rückkopplung ist. Wenn man die Hand fest über das Ohr legt und das Pfeifen stärker wird, ist es meist ein Passformproblem. Wenn es auch im freien Raum ohne Hand in der Nähe pfeift, könnte das Gehäuse oder ein internes Bauteil defekt sein.

Welche Hörgerätetypen sind besonders anfällig für Rückkopplung?

Offene Anpassungen und Geräte mit hoher Verstärkung sind generell anfälliger. Besonders betroffen sind RIC-Systeme mit offenen Domes sowie Nutzer mit starkem Hochtonverlust. Gut sitzende Otoplastiken schaffen hier oft deutlich mehr Rückkopplungssicherheit. Je nach Hörgeräteart können unterschiedliche Probleme auftreten. 

Welche Ursachen hat Rückkopplung bei HdO-Hörgeräten?

Bei HdO-Geräten, bei denen der Abstand zwischen Lautsprecher und Mikrofon größer ist, weil ein Teil hinter dem Ohr getragen wird, liegt die Anfälligkeit eher bei dem langen Schlauch und dessen potenziellen Schwachstellen wie losen Verbindungen oder Rissen, durch die Schall entweichen kann.

Welche Ursachen für eine Rückkopplung kommen bei RIC-Hörgeräten infrage?

RIC-Systeme reagieren deswegen sensibler, weil der Lautsprecher direkt im Ohrkanal sitzt, näher am Trommelfell. Dadurch ist der Abstand zwischen Mikrofon und Lautsprecher kleiner, was Rückkopplung begünstigt, wenn die Abdichtung nicht perfekt ist.

Warum tritt Rückkopplung bei IdO-Hörgeräten auf?

Da bei Im-Ohr-Hörgeräten wie dem ITE-Hörgerät oder dem ITC-Hörgerät Hörer und Mikrofon auf engstem Raum sitzen, braucht es nur kleinste Leckagen oder Passformfehler, um eine Rückkopplung auszulösen. Auch Feuchtigkeit, Cerumen oder Gewebeveränderungen im Ohr können die akustische Balance schnell stören.

Welche technischen Lösungen bieten moderne Hörgeräte zur Rückkopplungsvermeidung?

Die Vermeidung einer Rückkopplung ist ein Zusammenspiel von Anatomie, Mechanik und Technik, wobei moderne Hörgeräte digitale Rückkopplungs-Unterdrückung nutzen. Diese Systeme analysieren den Schallverlauf und verhindern das Entstehen einer Schleife, indem sie kritische Frequenzen aktiv filtern oder Gegenphasen erzeugen. Sie funktionieren besonders gut, wenn die mechanischen Voraussetzungen stimmen. 

  • Anatomie: Ein präziser 3D-Scan des Gehörgangs stellt sicher, dass das Gerät trotz Kieferbewegung und individueller Krümmung lückenlos sitzt.
  • Mechanik: Das richtige Material und eine exakt berechnete Belüftungsbohrung verhindern, dass Schall physikalisch entweichen kann.
  • Technik: Der digitale Prozessor nutzt Phaseninversion (Gegenschall), um kleinste Schall-Lecks auszulöschen, bevor sie hörbar werden.

Was ist ein Rückkopplungsmanager im Hörgerät? 

Ein Rückkopplungsmanager ist eine Software, die erkennt, wenn sich eine akustische Schleife bildet und sofort reagiert. Sie korrigiert den Ton digital, bevor das Pfeifen überhaupt hörbar wird. Dabei passt sich das System laufend an Veränderungen an, zum Beispiel beim Wechseln des Hörgeräte-Programms.

Wie funktionieren Rückkopplungsunterdrückungssysteme?

Rückkopplungsunterdrückungssysteme arbeiten mit sogenannten adaptiven Algorithmen, die den Schallpfad vom Lautsprecher zum Mikrofon permanent analysieren und modellieren. Das bedeutet, das System lernt. Es erkennt die akustischen Eigenschaften der Umgebung und erkennt auch, wenn ein Ton in einer bestimmten Frequenz zu kreisen beginnt. Noch bevor daraus ein hörbares Pfeifen entsteht, wird ein Gegensignal erzeugt, meist in umgekehrter Phase, das die Rückkopplung neutralisiert. Dieser Prozess läuft in Echtzeit ab und passt sich kontinuierlich an, etwa wenn Sie eine Mütze aufsetzen, telefonieren oder sich in einem Raum mit vielen Reflexionsflächen bewegen. Die Wirksamkeit hängt stark davon ab, wie stabil die akustische Kopplung zwischen Hörgerät und Gehörgang ist. Wenn der Dome gut sitzt, die Filter sauber sind und die Verstärkung nicht zu extrem eingestellt ist, kann das System optimal arbeiten. Kommt es jedoch zu Leckagen, verrutschten Bauteilen oder starken Veränderungen in der Umgebung, kann auch die beste digitale Unterdrückung an ihre Grenzen stoßen.

Wie kann ein Hörgeräteakustiker Rückkopplung gezielt beseitigen?

Ein erfahrener Hörakustiker behebt Rückkopplungen systematisch, indem er zunächst den Sitz des Geräts und der Ohrpassstücke wie Dome oder Otoplastik überprüft und sicherstellt, dass diese optimal an Ihre Anatomie angepasst sind. Er kontrolliert zudem die Sauberkeit und den Zustand aller Bauteile wie Schallschläuche, Filter oder den Receiver, und entfernt mögliche Blockaden durch Ohrenschmalz oder Verschmutzungen. Falls nötig, passt er das Venting an, um den Kompromiss zwischen Belüftung und Abdichtung zu optimieren, und kalibriert anschließend das digitale Feedback-Management neu, indem er Verstärkungskurven in kritischen Frequenzen anpasst, ohne das Sprachverständnis zu beeinträchtigen. Zum Abschluss testet der Profi das Hörgerät mit Ihnen in realen Situationen wie Sprechen, Kauen oder lauter Umgebung und gibt Ihnen noch einmal Pflegetipps für den täglichen Gebrauch.



Was kostet die Behebung von Rückkopplungsproblemen beim Hörgerät?

Kleinere Maßnahmen bei der Reparatur eines Hörgerätes wie Filterwechsel oder Nachjustierungen sind oft kostenlos, besonders wenn die Preise für das Hörgerät von der Krankenkasse zumindest zum teilweise übernommen wurden, sind die Maßnahmen Teil des Servicevertrages, den der Hörgeräteakustiker mit der Kasse hat. 

MaßnahmeDurchschnittspreis (pro Ohr)Zuschuss/Hinweise
Filterwechsel/Reinigung0 bis 15 Euromeist kostenlos in der Garantiezeit oder per Kassenvertrag
Dome/Schirmchen-Wechsel5 bis 20 Euroregelmäßiger Bedarf, oft übernommen
Otoplastik neu anfertigen40 bis 80 EuroKassen-Zuschuss möglich
Software-Nachjustierung/Feedback-Kalibrierung0 bis 30 Euroin der Regel kostenfrei als Serviceleistung
komplette Feinjustierung mit Test0 bis 50 Euroabhängig vom Servicevertrag

Diese 5 Dinge sollten Sie beachten

  1. Ein leises Dauerpfeifen kann bei fortgeschrittener Schwerhörigkeit oder bei älteren Menschen nicht immer korrekt der Ursache zugeordnet werden. Betroffene denken, es sei das Gerät, obwohl es sich um einen beginnenden oder überlagerten Tinnitus handelt (oder umgekehrt). Eine differenzierte Tonaudiometrie kann hier Klarheit bringen.
  2. Testen Sie gezielt verschiedene Situationen, denn auf diese Weise lässt sich der Auslöser oft besser eingrenzen. Notieren Sie, wann und wo das Pfeifen auftritt, denn das unterstützt die Fehleranalyse enorm.
  3. Einige Nutzer berichten von Rückkopplung oder Pfeifgeräuschen, obwohl objektiv keine messbare Rückkopplung vorliegt. Wahrnehmung ist stark durch Erwartung und Aufmerksamkeit geprägt, das Gehirn vervollständigt Geräusche. In seltenen Fällen handelt es sich sogar um akustische Halluzinationen oder eine Form von Misophonie. [1]
  4. Der Gehörgang ist ein lebendiges, bewegliches Organ und verändert leicht seine Form durch Temperatur, Kieferbewegung, Körperhaltung oder sogar Flüssigkeitseinlagerungen. Morgens sitzt beispielsweise ein In-Ohr-Gerät oft dichter als am Abend, vor allem bei individuell angepassten Otoplastiken. Diese minimalen Veränderungen können ausreichen, um Undichtigkeiten zu verursachen, durch die verstärkte Schallanteile nach außen dringen, was Rückkopplung auslöst, obwohl am Gerät selbst nichts verändert wurde.
  5. Bei Online-Anpassungen oder Fernwartung wird Rückkopplung oft verzögert oder unvollständig übertragen. Dadurch wird sie vom Audiologen unterschätzt oder gar nicht erkannt. Eine strukturierte Rückmeldung durch den Nutzer bleibt hier entscheidend.

Fazit

Rückkopplung ist kein Zeichen für ein schlechtes Hörgerät, sondern weist auf ein gestörtes akustisches Gleichgewicht hin, beispielsweise etwa durch einen undichten Sitz, verschmutzte Filter oder eine ungünstige Verstärkung. Moderne Hörgeräte sind mit digitalen Rückkopplungssystemen ausgestattet, die Pfeifgeräusche automatisch erkennen und unterdrücken. Eine passgenaue Otoplastik, regelmäßige Reinigung und eine individuelle Feineinstellung sorgen zusätzlich dafür, dass Rückkopplungen meist zuverlässig vermieden werden. Tritt dennoch ein Pfeifen auf, hilft es, die Situation zu beobachten und frühzeitig vom Fachbetrieb überprüfen zu lassen.

Rückkopplung bei Hörgeräten: Häufig gestellte Fragen

Ist Rückkopplung immer ein Zeichen für ein kaputtes Hörgerät? 

Ein technischer Defekt ist eher selten. Meistens liegt es am Sitz, an Verschmutzungen oder an der Einstellung.

Warum pfeift nur ein Hörgerät und das andere nicht?

Oft liegt es an lokalen Unterschieden, denn Gehörgangsform, Sitz oder Cerumen können von Seite zu Seite variieren.

Wie schnell sollte ich handeln, wenn Rückkopplung plötzlich auftritt?

Am besten handeln Sie sofort und überprüfen das Gerät. Wenn Sie die Ursache nicht beseitigen können, sollten Sie einen Akustiker aufsuchen. Kommt es allerdings zu Schmerzen oder Hörverlust, dann setzen Sie sich am besten zeitnah mit Ihrem HNO-Arzt in Verbindung.

Wann ist ein neues Ohrpassstück oder eine neue Anpassung sinnvoll?

Wenn das Gerät regelmäßig pfeift, der Sitz nicht mehr stabil ist oder sich Gehörgang und Hörverlust verändert haben, ist eine neue Anpassung sinnvoll. Auch Komfortprobleme oder ein ständig gefühlt lockerer Sitz sind Hinweise, dass die aktuelle Hörlösung überarbeitet werden sollte.

Wann ist ein Gerätetausch wegen ständiger Rückkopplung sinnvoll?

Wenn trotz optimaler Passform, intakter Teile und korrekter Einstellung die notwendige Verstärkung nicht stabil möglich ist, kann ein neues Gerät sinnvoll sein. Vorher sollten jedoch alle anderen Ursachen ausgeschlossen werden.

Quellen

[1] Schwemmle, C., und C. Arens. „‚Ear rage‘: misophonia : Review and current state of knowledge: Übersicht und aktueller Wissensstand“. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC8760222/. HNO, Bd. 70, Nr. 1, 2022, S. 3–13, doi:10.1007/s00106-021-01072-7. Zugegriffen am 4. Februar 2026.

Über unsere*n Autor*in
Simone Blaß
Simone studierte Germanistik, Psychologie und Soziologie und absolvierte danach ein Volontariat bei einem lokalen Fernsehsender. Nach Zwischenstationen beim Radio und in einer PR-Agentur arbeitete sie viele Jahre als freiberufliche Redakteurin für Online-Portale und Agenturen.